35 Jahre – VT2E

Der dieselelektrische Triebwagen von LHB

Mit Wellblech durch den Taunus – der VT2E

Auf dieser Webseite widmen wir uns einem Fahrzeug was in den letzten Jahren recht wenig Beachtung bekommen hat. Wahrscheinlich liegt es daran das dieser Fahrzeugtyp nicht sonderlich oft gebaut wurde und auch nicht sehr verbreitet war. Wir widmen uns dem VT2E, ein zwischen 1976 und 1993 gebautem Privatbahnfahrzeug. Der Autor dieser Webseite ist den VT2E etwas mehr als zwei Jahre gefahren und kann einiges über dieses besondere Fahrzeug erzählen.

Zwei VT2E bei Wehrheim
Drei VT2E verlassen Frankfurt
Nebenbahnidylle bei Hundstadt, ein VT2E hat gerade den Haltepunkt verlassen.
Frühling im Taunus, zwei VT2E überqueren das Viadukt in Neu-Anspach.
Im Herbst erstrahlt der Taunus in Gold, ein VT2E bei einem Pferdehof in Neu-Anspach.
Nebenbahnidylle, ein VT2E nähert sich Grävenwiesbach. Vereinzelt stehen noch Telegrafenmasten, allerdings nur zur Dekoration.

Der VT2E ist aufgebaut aus zwei Wagenkästen, bezeichnet als VT 2E (Motorwagen) und VS 2E (Steuerwagen). Beide Wagenkästen sind fest über ein Jakobsdrehgestell verbunden. Im Motorwagen ist Unterflur der 485 kW starke Dieselmotor angebracht, an diesem ist fest der Drehstromgenerator mit einer Leistung von 435 kW verbaut. Da LHB 1987 mit der Drehstromtechnik noch nicht weit genug war, wurden 4 Gleichstrommotoren der Firma BBC als Fahrmotoren verbaut. Jeder Fahrmotor hat eine Leistung von 93 kW, verbaut wurden jeweils zwei Fahrmotoren an den Drehgestellen am Ende der beiden Wagenkästen. Im Motorwagen ist außerdem die Fahrzeugsteuerung als MICAS-Rechner untergebracht. Der VT2E ist ca. 33 Meter lang und seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Der Steuerwagen, der aufgrund der elektrischen Fahrmotoren eigentlich gar kein Steuerwagen ist, hat Unterflur die Batteriekästen und den Luftpresser. Bezeichnet wurden die Fahrzeuge als VT 1 bis VT 8. Seitdem waren die VT2E zwischen Frankfurt (M) Hbf und Königstein im Einsatz.

Der elektrische Antrieb ist im Gebirge von großen Vorteil, so kann auf Gefällestrecken mit den Fahrmotoren elektrisch und verschleißfrei bremsen. Die Fahrmotoren werden durch die Fahrzeugsteuerung auf Generatoren umgepolt, so entsteht beim bremsen Strom der durch Bremswiederstandskästen in Wärme verwandelt wird. Im Winter kann diese Wärme zum heizen des Fahrgastraumes benutzt werden, im Sommer entweicht die warme Luft ins freie. Über diese Bremswiederstandskästen wird das Fahrzeug auch im Stand geheizt, stellt der Lokführer den Fahr/Bremshebel in Nullstellung geht der Dieselmotor in eine höhere Drehzahl, der über den Generator entstehende Strom wird direkt in die Bremswiederstände geleitet und der Fahrgastraum wird warm.

Nebliges Winterwetter in Bad Homburg, der VT2E steht in Bad Homburg.
Abfahrbereit in Königstein stehen drei VT2E auf dem Weg nach Frankfurt. Im Hintergrund ist die Werkstatt zu erkennen.

Die Bremsanlage des VT2E ist mit einer elektrisch gesteuerten Druckluftbremse ausgeführt, das Fahrzeug verfügt an der Fahrzeugmitte außerdem über eine Magnetschienenbremse. Sollte der Fahrzeugrechner ausfallen ist der VT2E außerdem mit einer indirekt wirkenden Druckluftbremse ausgestattet. Als Fahrzeugbesonderheit gilt, dass diese als einlösige Bremse ausgestattet ist. Die direkt wirkende Druckluftbremse hat gegenüber der indirekt wirkenden Druckluftbremse eine etwa doppelt so große Bremswirkung. Gebremst wird über Scheibenbremsen an allen sechs Achsen.

Im Jahre 1992 wurde durch den Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) die Taunusbach von Friedrichsdorf nach Grävenwiesbach übernommen. Die Bundesbahn wollte diese Strecke stilllegen und so kaufte der Hochtaunuskreis die ca. 31 Kilometer lange Strecke und beauftragte die Frankfurt-Königsteiner-Eisenbahn mit der Betriebsführung. Nach der Übernahme wurden alle Bahnsteige saniert und die Strecke für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut. Da man bei der FKE gute Erfahrungen mit dem VT2E gemacht hatte bestellte der Verkehrsverband Hochtaunus 11 eigene Fahrzeuge bei LHB, die FKE schloss sich mit einem weiteren Fahrzeug an die Bestellung an.

Ein VT2E verlässt das verschneite Grävenwiesbach in Richtung Brandoberndorf.
Nach der Modernisierung im Jahr 2006 hat der VT2E moderne Sitze.
Da die Türen erst schließen, wenn der Lokführer den Türschließbefehl gibt, müssen bei längeren Standzeiten, die Fahrgäste selbst die Türen schließen.

Die zweite FKE-Bauserie unterscheidet sich nur wenig zu ersten Bauserie, man veränderte die Türsteuerung, die Führerstandstür wurde als Schiebetür statt Schwenktür ausgeführt und im Führerstand änderte man teilweise die Anordnung der Instrumente. Die neuen Fahrzeuge erhielten die Fahrzeugnummern 9 sowie 11-21. Später bekamen die VT2E der FKE die Baureihenbezeichnung 609 durch das Eisenbahn-Bundesamt zugeteilt. Bezeichnet sind die Fahrzeuge als 609 001 bis 609 021. Die Fahrzeuge 1-9 sind im Eigentum der FKE, 11-21 im Eigentum des Verkehrsverbandes Hochtaunus. Die Fahrzeugnummer 10 hat man sich für eine eventuelle Nachbestellung seitens der FKE offen gehalten. Beide FKE-Bauserien sind untereinander kuppelbar und waren seitdem im Mischbetrieb im Einsatz. Seit 1992 war der VT2E auf zwischen Grävenwiesbach und Bad Homburg anzutreffen. Einzelne Züge fahren weiter bis Frankfurt (M) Hbf. Gewartet werden die Fahrzeuge in der eigenen Werkstatt im Bahnhof Königstein, umlaufbedingt kamen diese mehrfach in der Woche dort hin. Das Kürzel TSB an der Fahrzeugfront steht für den Markennamen Taunusbahn.

Nachdem man 1997 die 6,6 km lange Strecke von Frankfurt-Höchst nach Bad Soden aus der S-Bahn Rhein-Main ausgliederte übernahm die Frankfurt-Königsteiner-Eisenbahn den Betrieb auf Hessens ältester Nebenbahn ebenfalls mit einem VT2E, dieser kam morgens als Leerfahrt von Königstein und fuhr abends dorthin zurück. In den letzten Betriebsjahren waren dort fast nur noch die Baureihe 648, später die Baureihe 1440 anzutreffen.

Im Jahre 1999 reaktivierte der Verkehrsverband Hochtaunus ca. 6 Kilometer der ehemaligen Solmsbachtalbahn (Grävenwiesbach – Albshausen) zwischen Grävenwiesbach und Brandoberndorf, seitdem kamen die VT2E auch bis in den Lahn-Dill-Kreis. 

Aus der einstigen S-Bahn-Zeit ist in Sulzbach (Sodener Bahn) noch der S-Bahn-Würfel geblieben.
Morgens in Grävenwiesbach.

Nachdem in den Jahren 1994/1995 der Fahrgastbedarf mit den VT2E auf den drei Taunusstrecken nicht mehr allein durch die 20 VT2E abgedeckt werden konnte beschaffte die FKE zwei Dieseltriebwagen der Baureihe 629 (629 071 und 629 072) und einen der Baureihe 628 (628 051). Nachdem 2006 die Flotte durch 10 Triebwagen der Baureihe 648 (LINT) ergänzt wurden verkaufte man einen 629 sowie den 628. Der Verbliebene 629 (629 072) ist seitdem im Westerwald unterwegs.

Mitte der 2000er Jahre fusionierten die Frankfurt-Königsteiner-Eisenbahn (FKE) mit der Butzbach-Licher-Eisenbahn (BLE) und der Kassel-Naumburger-Eisenbahn (KNE) in die Hessische Landesbahn (HLB).

Zwischen 2006 und 2007 fand ein Redesign der VT2E statt, bei diesem Redesign veränderte man die Lackierung, baute die gleichen Sitze ein die im LINT (Baureihe 648) verbaut sind, stattete die Fahrzeuge mit LED-Anzeigen für das Zugziel aus und verbaute eine Webasto-Standheizung um das Fahrzeug zeitgesteuert vorheizen zu können. Eine Klimaanlage wurde leider nicht verbaut. Im Jahre 2009 wurde an allen 20 VT2E eine Notbremsüberbrückung nachgerüstet.

Am letzten Einsatztag verlässt ein VT2E den Bahnhof Brandoberndorf.
Ein VT2E bei Liederbach, auf dem Weg nach Frankfurt.
Ein VT2E an einer überdimensional großen Coladose bei Liederbach.
Ein VT2E fährt aus Richtung Bad Soden in den Bahnhof Frankfurt-Höchst ein.

Seit einiger Zeit ist der Verkehrsverband Hochtaunus daran interessiert die in Friedrichsdorf endete S-Bahnlinie 5 bis nach Usingen auf die Taunusbahn zu verlängern, die Arbeiten zu diesem Projekt laufen aktuell.

Ob man die ehemalige Solmsbachtalbahn hinter Brandoberndorf weiter in Richtung Albshausen verlängern könnte ist derzeit vom Lahn-Dill-Kreis in Überlegung.

Da die Strecke nach Königstein in der Nähe des Industrieparks Frankfurt-Höchst beginnt, wollte der Rhein-Main-Verkehrsverbund die Taunusstrecken zukünftig mit Wasserstofftriebwagen betreiben. Da Wasserstoff im Industriepark Frankfurt-Höchst anfällt soll dort getankt werden. Heute fahren Wasserstofftriebwagen auf den Taunusstrecken, brieten durch Start, eine Tochterfirma der Deutschen Bahn.

Im Jahre 1993 bestellte die AKN 18 weitere Fahrzeuge bei LHB, die neuste Variante, der VTA. Da man auf das gesickte Wellblech verzichtete, unterscheidet er sich äußerlich durch eine glatte Oberfläche. Der VTA besitzt erstmals Drehstromfahrmotoren. Die zweite Fahrzeugversion (VTA) bei der AKN war mit der ersten Generation (VTE) kuppelbar. Der VTA ist noch im Streckennetz der AKN anzutreffen.

Während die Äpfel durch die letzten herbstlichen Sonnenstrahlen reifen, macht sich ein VT2E auf den Weg nach Bad Homburg.
Der VT2E passt farblich wunderbar in die herbstlich gefärbten Bäume, hier verlässt er den Bahnhof Saalburg.
Der Füherstand im VT2E

Mittlerweile ist der VT2E auch schon in Eisenbahnvereinen angekommen. Im Jahre 2016 musterte die AKN ihre erste Serie des VTE aus, hierbei gelangten fünf Fahrzeuge in Eisenbahnmuseen.

Der Verkehrsverband Hochtaunus gab zwei seiner elf Fahrzeuge an einen Museumsbahnverein ab.

Drei VT2E wurden zwischenzeitlich verschrottet.

Die restlichen 15 VT2E sind heute in Rumänien im Fahrgasteinsatz, dort wurde sogar eine Toilette nachgerüstet.

Geräusche

So klingt der VT2E

Im Rahmen des Eisenbahnpodcast „Langsamfahrt“ entstand 2018 eine Geräuschcollage, enthalten sind diverse Geräusche des VT2E.

Langsamfahrt ist ein Podcast der sich mit den verschiedensten Themen aus dem Bereich der Eisenbahn beschäftigt. Moderiert wird der Podcast von Gregor Börner.


Blick durch den Spiegel in den Fahrgastraum

Zahlen, Daten, Fakten

Steckbrief

Baureihe: 609
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Leistung Dieselmotor: 485 kW
Leistung Generator: 435 kW
Leistung Fahrmotoren: 4x 93 kW
Länge: 32,62 m
Leermasse: 55 t
Dienstmasse: 65 t
Anzahl: 20 (Ausführung FKE & VHT)
Sitzplätze: 78 (2. Klasse), 12 (1. Klasse)